Bockschwer und süchtig machend: warum Paradox-Spiele faszinierend sind (Europa Universalis 4, Hearts of Iron 4)

Ich liebe Strategiespiele, das ist kein Geheimnis. Zu meinen Favoriten gehört die Age of Empires-Reihe, Rome: Total War und diverse Spiele von Paradox Interactive, einem Entwickler und Publisher aus Schweden. Deren Spiele zeichnen sich insbesondere dafür aus, dass sie vom Schwierigkeitsgrad her bockschwer sind, aber dieser nicht abschreckend wirkt. Ganz im Gegenteil: sie motivieren immer weiter zu machen. Warum ist das so?

Spiele wie Europa Universalis IV, Hearts of Iron IV, Victoria 2 oder auch Crusader Kings 3 sind an sich extrem trocken in ihrer Präsentation: eine Weltkarte, viele verschiedene Nationen und ein Setting. Je nach Spiel befindet man sich im frühen Mittelalter (Crusader Kings); im Hoch- und Spätmittelalter und kolonisiert später die neue Welt (Europa Universalis); im 19. sowie dem 20. Jahrhundert (Victoria) oder im Zweiten Weltkrieg (Hearts of Iron). Man muss somit Interesse an Geschichte und Vorstellungskraft mitbringen, um der Optik etwas abgewinnen zu können.

Lässt man sich aber darauf ein, findet man Spiele vor, die großartig und ziemlich süchtig machend sind, da sie einen dazu verleiten, immer weiter zu spielen. Die Welt wird dynamisch simuliert, da das Geschehen in Echtzeit abläuft.

Mods, wie Extended Timeline für Europa Universalis IV ermöglichen es, das Spiel bereits im Jahr 2 n. Chr. zu starten und damit entweder als Rom oder eines der vielen anderen Länder einen bleibenden Eindruck in der Geschichte zu hinterlassen. Natürlich kann man auch viel später starten und sich als indianischer Stamm in Nord- sowie Südamerika sich viele Jahre vorher auf die Spanier, Briten, Franzosen und Niederländer vorbereiten oder gar selbst die nötigen Technologien im Laufe der Zeit entwickeln, um Kolonien auf anderen Kontinenten zu errichten (Geduld natürlich vorausgesetzt). Oder man nimmt einen der Stadtstaaten im heutigen Deutschland und versucht zu überleben.

Bei Victoria 2 sieht es ähnlich aus: die abgehandelte Epoche ist voller neuer Ideen, bedeutsamen Ereignissen und Kriegen wie z.B. dem Amerikanischen Bürgerkrieg, in dem man selbst als eine der beiden Parteien oder als dritter eingreifen kann und somit den Lauf der Geschichte verändert. Oder man bleibt gleich in Europa und nimmt kleinere, eigentlich unbedeutende Staaten wie die Papststaaten und versucht Italien unter deren Herrschaft zu einen und sich das ein- oder andere Gebiet in Afrika unter den Nagel zu reißen.

Hearts of Iron IV ist im Vergleich anderen Paradox-Spielen leichter geworden, bietet aber trotzdem noch eine Menge Herausforderungen. Als Italien sich niemals in ein Bündnis mit Deutschland begeben und später ein eigenes Bündnis erstellen? In Deutschland eine schleichende Revolution auslösen, indem man vom Faschismus zum Kommunismus (oder der Demokratie) hin driftet und mit den Alliierten sich die Welt aufteilt? Als USA mit Deutschland gemeinsame Sache und es somit der Sowjetunion schwer machen? Versuchen, den Spanischen Bürgerkrieg 1936 zu überstehen und Franco niemals an die Macht kommen lassen? All das ist hier möglich und wie auch bei EU IV und Victoria gibt es Mods, mit denen man das Spielgeschehen nach Herzenslust verändern kann.

Apropos Mods: für Stellaris – ein Weltraumspiel, das dementsprechend in der Zukunft spielt – gibt es eine Mod, die mir als Star Trek Fan das Herz höherschlagen lässt: Star Trek New Horizons. Hierbei startet man im Jahr 2150, also knapp einem Jahrzehnt vor Gründung der Föderation und kann sich eine der vielen Völker aus dem Star Trek Universum schnappen, ganz egal, ob das Volk wenig oder viel Screentime im Laufe der Serien hatte. Es ist ebenfalls möglich, ein Spiel im Spiegeluniversum zu starten.

Die Große Faszination hinter Paradox ist somit die Möglichkeit, sich irgendwo und irgendwann im Lauf der Geschichte einzuklinken und sie entweder nachzuspielen, oder abzuändern. Ich kann hier nur jedem, der mal irgendein Strategiespiel, sei es Age of Empires, Cossacks, Civilization oder Total War, gespielt hat, empfehlen, sich ein Paradox-Spiel zu schnappen und sich von der unheimlichen Dichte, die diese Spiele bieten, nahezu einsaugen zu lassen. Einsteigertipps: Hearts of Iron IV und Stellaris.

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